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Wer an den Ausbau des Schweizer Bahnnetzes denkt, denkt an Gleise, Brücken, Fahrleitungen und Bahntechnik. Kaum sichtbar bleibt hingegen eine entscheidende Voraussetzung vieler Infrastrukturprojekte: der Beton. Beim Doppelspurausbau zwischen Opfikon Riet und Kloten spielte er eine zentrale Rolle. Das SBB-Projekt ist Teil des Ausbauschritts 2035 und schafft zusätzliche Kapazitäten für den Personen- und Güterverkehr. Während einer mehrwöchigen Intensivbauphase im Frühjahr 2026 wurden zahlreiche Ingenieurbauwerke erstellt, angepasst oder erweitert. Die Arbeiten erfolgten unter hohem Zeitdruck und teilweise im 24-Stunden-Betrieb.
Besonders anspruchsvoll waren die Betonierarbeiten zwischen Ende Mai und Anfang Juni. Während auf der Baustelle rund um die Uhr gearbeitet wurde, stiegen die Temperaturen tagsüber auf sommerliche Werte. Genau unter diesen Bedingungen mussten unterschiedliche Schnellbetonsysteme zuverlässig funktionieren. Die Herausforderung bestand darin, scheinbar gegensätzliche Anforderungen miteinander zu verbinden. Einerseits musste ausreichend Zeit für Transport, Einbau und Oberflächenbearbeitung zur Verfügung stehen. Andererseits waren hohe Frühfestigkeiten erforderlich, damit nachfolgende Arbeiten ohne Verzögerung ausgeführt werden konnten.
Gerade hohe Temperaturen stellen Schnellbetonsysteme vor besondere Herausforderungen. Steigende Betontemperaturen beschleunigen die Reaktionen im Beton und verkürzen die Verarbeitungszeit. Gleichzeitig dürfen weder Konsistenz noch Festigkeitsentwicklung negativ beeinflusst werden. Entsprechend wichtig waren eine laufende Überwachung der Frischbetoneigenschaften sowie die enge Abstimmung zwischen Betonwerk, Baustelle und Materialtechnologie.
Über das Betonwerk Ebirec wurden während mehr als einer Woche insgesamt 180 m3 Concretum® Q-FLASH 5/20 Schnellbeton für die Baustelle produziert und geliefert. Zum Einsatz kamen 48 m3 selbstverdichtender Schnellbeton (SCC) und 132 m3 pumpbarer Schnellbeton. Die Betone kamen bei verschiedenen Ingenieurbauwerken zum Einsatz. Betoniert wurden Wiederlagerbänke, Kammerwände, Ergänzungen von Fundamenten der Verschubbahn sowie Wände und Decken einer Personenunterführung. Die Arbeiten erfolgten sowohl vor als auch nach dem Verschieben der Brücke und mussten exakt in den Gesamtbauablauf integriert werden. Die Anforderungen waren dabei unterschiedlich: Während einige Bauteile eine hohe Fliessfähigkeit zur vollständigen Umhüllung dichter Bewehrungen sowie schwierige Zugänglichkeiten erforderten, standen bei anderen Bauteilen Pumpbarkeit, Robustheit und kontrollierte Verarbeitungszeiten im Vordergrund. Besonders der Einsatz von SCC-Schnellbeton zeigte die Entwicklung moderner Betontechnologie. Selbstverdichtende Betone werden üblicherweise mit hohen Anforderungen an Fliessfähigkeit und Stabilität verbunden. Die zusätzliche Forderung nach schneller Festigkeitsentwicklung erhöht die Komplexität nochmals erheblich. Trotzdem konnten die geforderten Eigenschaften zuverlässig erreicht werden.
Der Doppelspurausbau Opfikon–Kloten verdeutlicht, dass Schnellbeton heute weit mehr ist als ein Spezialprodukt für Reparaturarbeiten. Moderne Systeme ermöglichen die Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte unter engen Terminvorgaben und anspruchsvollen klimatischen Bedingungen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Geschwindigkeit der Festigkeitsentwicklung, sondern das Zusammenspiel von Materialtechnologie, Produktion, Logistik und Ausführung.
Wenn künftig zusätzliche Züge zwischen Zürich Flughafen und dem Glattal verkehren und der Viertelstundentakt Realität wird, werden die wenigsten Reisenden an Beton denken. Für die Projektbeteiligten war jedoch klar: Der Erfolg einer solchen Intensivbauphase beginnt nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits im Betonwerk.
Produkt
Land
Schweiz
Ausführung
2026, Mai – Juni
Bauherr
Schweizerische Bundesbahnen (SBB)
Bauunternehmer
ARGE RESS
Betonproduzent
Eberhard Bau AG, Werk Ebirec
Betonmenge
180 m3
Anwendungsbereich
Gleisbau, Brückenbau
Einbauverfahren
Pumpen